Studieren auf Mallorca, Rezept gegen Heimweh
January 27, 2010 by admin
Filed under Deutsche auf Mallorca, Mallorca insider
Mallorca ist eines der beliebtesten Reiseziele der Deutschen und Österreicher. Dass man dort, wo Millionen Deutsche und Österreicher Jahr für Jahr ihren Urlaub verbringen, auch studieren kann, ist vielen kaum bekannt.
So ging es auch der Gevelsbergerin Julia Simon, die ihr Abitur auf dem Ennepetaler Reichenbach-Gymnasium gebaut hat. Für sie klang die Vorstellung, die ersten vier Semester ihres Studiums (angewandte Medienwirtschaft, Sport und Event-Management) auf der Ferieninsel zu absolvieren, aber auch sehr verlockend.
Die Planung bezüglich eines Studienplatzes an der Akademie Ascenso in Palma de Mallorca zauberte bei den meisten ihrer Mitmenschen ein nettes, leicht süffisantes Lächeln ins Gesicht. Unglaube? Neid? Oder die Sorge, dass sie sich dort nun restlos zur „Party-Maus” entwickele?
Die unzähligen Abschiedsfeiern, das Meer voller Tränen, die guten Wünsche, das tagelangem Packen sind schon verblasst. „Mein kleiner Polo, der aus allen Nähten platzte und der Eindruck, als ob ich für die nächsten 20 Jahre in ferne, fremde Galaxien reisen würde, schafften auch die 1 400 Kilometer ganz gut.” Der Blick, der sich ihr früh morgens um sechs Uhr von der Fähre auf ein sensationelles Panorama der Insel bot, hat sich eingebrannt.
»Die Spanier lieben den Kreisverkehr«
Schnell gewöhnte sie sich an das pulsierende Leben mit seinen eigenwilligen Verkehrsregelungen und multikulturellen Menschen. „Die Spanier lieben den Kreisverkehr. Je größer, umso schöner, mit prächtigen Bepflanzungen, Skulpturen und anderen Mittelpunkten. Der staunende deutsche Autofahrer wird geschickt vom hier völlig normalen Verkehrschaos abgelenkt. Alles funktioniert dennoch prächtig”, erzählt die 18-Jährige. „Aus drei mache vier Spuren und hupen, wann immer sich eine Gelegenheit bietet. Und diese bietet sich oft. Eigentlich ganz nach meinem Geschmack.”
Ihre Akademie liegt mitten in Palmas romantischer Altstadt. Kleine Gassen mit liebevoll restaurierten Stadthäusern, liegen an dem Weg zu ihrer Wohnung, die sie sich mit anderen Studenten teilt. Nur etwa sieben Fußminuten von der Uni entfernt liegt die WG in einer für Palmas Altstadt typischen Gasse. Mit ihren zahlreichen breiten, niedrigen Stufen führt sie weiter nach oben auf eine der großen Einkaufsmeilen. Keine drei Gehminuten entfernt vom bekannten Restaurant „Cappuccino”. Ein Schuhgeschäft jagt das nächste, Shop um Shop reihen sich aneinander. Diesen Bereich hat Julia Simon für sich zur „gefährlichen Zone” erklärt, denn das gefürchtete Shoppingfieber bricht hier für sie schnell aus. Für das begrenzte studentische Taschengeld ist das eher tödlich.
Die WG besteht noch aus einer bunt gemischten fröhlichen Gruppe von fünf Mädels, drei Jungs und einem Hund. Allerdings gab es etwas Ärger mit den Nachbarn, so dass sich die Gruppe kurzfristig in kleinere Wohneinheiten aufteilen wird. Eine große Wohnung, wo alle untergekommen wären, war nicht zu finden. So wird Julia in Kürze mit zwei weiteren Mädchen in der Altstadt eine kleine Wohnung beziehen.
»Studium ist auch hier kein Ponyhof«
Den ersten Studientag empfand Julie Simon ein bisschen wie am ersten Schultag. Alles fremd, alles neu und mit der Erkenntnis am Ende des Tages, dass auch ein Studium auf Mallorca nichts mit Party und Ferien zu tun hat. Klare Regeln, ein straff durchorganisierter Studienplan, der wöchentlich wechselt, Vorlesungen und Unterricht bis in die Abendstunden, einschließlich der vier Stunden Spanischunterricht pro Tag. „Unser Spanisch-Intensivkurs besteht, wie alle Unterichtsmodule, aus kleinen Gruppen von zehn bis zwanzig Studenten,” erläuert sie. Verträumtes „Aus-dem-Fenster-sehen” oder anderweitige Ablenkungen während einer Vorlesung sind hier nicht möglich.
Mittlerweile hat sich eine gewisse Routine eingestellt, und dazu die Erkenntnis, dass ein Studium, egal wo – möchte man es ernsthaft und diszipliniert absolvieren –, „kein Ponyhof” ist. Das Heimweh ist aber dennoch irgendwie geblieben. „Aber manchmal schafft es der herrlich blaue Himmel, die strahlende Sonne am Morgen, das Flair dieser fantastischen Stadt, eben doch die Sehnsucht nach Hause zu bändigen.”
Über Weihnachten war Julia Simon für drei Wochen daheim in Gevelsberg und konnte so die Sehnsucht nach ihrem wirklichen Zuhause stillen. Mittlerweile büffelt sie schon wieder auf der Insel für ihren Abschluss „Bachelor of Arts”. Ihre Zwischenbilanz: „Studieren auf Mallorca? Ja, es ist möglich und eine tolle Erfahrung, die ich nicht missen möchte.”



