Rechtsmittel gegen schwarze Schafe
October 14, 2008 von mallorcalover
Geordnet unter Deutsche auf Mallorca, Immobilien, Mallorca Fakten, Senioren, Tipps
Zigtausende Aufträge werden auf Mallorca jährlich an Handwerker vergeben, die bauliche Umgestaltungen zum Gegenstand haben. Wie auch in Deutschland läuft hier nicht immer alles glatt. So kommt es ab und an zwischen Auftraggeber und Handwerker zu Unstimmigkeiten bezüglich der gelieferten Qualität. Nach Gesprächen oder Mahnungen beginnen dann meist die Schwierigkeiten. Der beauftragte Fachbetrieb stellt sich quer. Seine Arbeiter bleiben aus. Erst nach Monaten zäher Verhandlungen wird sich des Problems angenommen. Letztendlich gibt der entnervte Besteller nach und zahlt das verlangte „Extra“. Doch das muss nicht sein. Das spanische Rechtssystem gewährleistet dem Auftraggeber einer Werkleistung einen effektiven Schutz, sich gegen die Machenschaften schwarzer Schafe unter den Handwerkern zu wehren.
Die Rechte und Pflichten zwischen Handwerkern und Auftraggebern sind in Spanien im Código Civil (spanisches Bürgerliches Gesetzbuch) verankert. Hiernach schuldet der Auftragnehmer die Erstellung des vereinbarten Werkes. Der Auftraggeber hat den Werklohn zu zahlen. Halten sich die Parteien nicht an ihre Verpflichtungen, drohen Konsequenzen.
Kommt es zwischen Handwerker und Bauherrn nach Abschluss eines Vertrages zum Streit über die Qualität der bestellten Bauleistung, müssen zwei Fragen beantwortet werden: Besteht ein Mangel am Gewerk? Und hat der Handwerker diesen Mangel zu vertreten?
Zunächst einmal ist der Mangel zu beweisen. Dieser Nachweis obliegt dem Auftraggeber, der hierfür auch zahlen muss. Wie in Deutschland ist es ratsam, den Beweis des Mangels durch ein Gutachten eines zugelassenen Gutachters zu führen. Stellt der Experte fest, dass die erbrachte Leistung des Handwerkers nicht der örtlichen Baukunst, den technischen Vorschriften oder den vertraglichen Vereinbarungen entspricht, hat der Besteller gute Karten.
In diesem Fall greift der Código Civil dem Auftraggeber unter die Arme, indem er automatisch ein Verschulden des Handwerkers für die Fehler annimmt. Dieser hat dann die Nichterfüllung des Vertrages zu vertreten und muss damit weiter leisten.
Sickert also nach der teuren Instandsetzung der Grundmauern immer noch Wasser in das Eigenheim, hat der Handwerker auf seine Kosten innerhalb einer Frist nachzubessern. Weigert er sich, stehen dem Auftraggeber verschiedene Rechte zu. So kann dieser die Mängel durch einen Dritten auf Kosten des Handwerkers beseitigen lassen oder Minderung des vereinbarten Preises verlangen. Der Auftraggeber sollte wissen, dass der Handwerker nach den hier vorgestellten Grundsätzen nur bis zur Abnahme des Werkes haftet. Nach der Abnahme, die auch durch die volle Zahlung des Werklohnes oder der Ingebrauchnahme der Sache erfolgen kann, steht er nur noch für versteckte Mängel ein. Laut eines Urteils des spanischen Obersten Gerichtshofes sind dies nur solche Fehler, die für einen Laien nicht auf den ersten Blick erkennbar waren. Es ist also ratsam, das Gewerk vor einer Abnahme genau zu prüfen. Bezüglich der Verjährungsfristen für Mängel muss beachtet werden, dass diese vor der Abnahme 15 Jahre betragen. Danach können diese Fristen je nach Fehler auf sechs Monate schrumpfen.
Der Autor ist Rechtsanwalt & Abogado in Palma, 971-10 55 11.
Anleitung zum Flirt mit Mallorca
October 14, 2008 von mallorcalover
Geordnet unter Deutsche auf Mallorca, Mallorca Fakten, Senioren, Tipps
Palmas Promenade Paseo del Borne hieß noch Paseo Generalísimo Franco, am Strand wachte die Guardia Civil darüber, dass die Frauen sich nicht im Bikini zeigten, und deutsche Urlauber fürchteten die Auswirkungen des Olivenöls auf ihre Verdauung. Anfang der 60er Jahre, in der Spannung zwischen alter Sitte und Moral und der Modernisierung der Gesellschaft, wies vielen deutschen Touristen der Reiseführer „Urlaub auf Mallorca” den Weg durch die damals immer beliebter werdende Ferieninsel. Das Werk von dem Autor Heinz Görz aus dem C. Bertelsmann Verlag stammt aus dem Jahr 1960 und spiegelt den Beginn einer mittlerweile ein halbes Jahrhundert andauernden Romanze wider: Auf der Mittelmeerinsel fanden die Deutschen eine spannende Kombination aus Tradition und Exotik.
Aus der Stimme von dem Autor Heinz Görz klingt grenzenlose Begeisterung. „In Mallorca und die Balearen muß man verliebt sein”, jubelt er gleich im ersten Satz und wird gleich darauf poetisch. Auf der Insel falle der Morgen wie schimmernder Brokat vom Himmel. Für einen Aufenthalt dort verspricht er eine wahre Katharsis von Körper und Seele. „Man ahnt plötzlich, daß man in den vergangenen Jahren manches falsch gemacht und manches versäumt hat. Man sieht mit einem Male ein, wie unsinnig Hast und Jagd nach Erfolg sind und wie wertvoll Beschaulichkeit und Ruhe sein können.” Mallorca erscheint als wahres Paradies, dessen Betreten aber unbedingt die Beachtung der detailgenauen Tipps aus dem Buch erfordert. „Sie werden einfachen und ehrlichen Menschen begegnen. Man wird Sie als Gast und Freund empfangen, wenn Sie als solcher auftreten.” Oft wirkt der Text wie eine Anleitung, die ein wohlmeinender Vater für seine naiven Kinder verfasst hat. „Nie darf man auf den Balearen Kopf und Nacken der prallen Sonne aussetzen. Falsche Eitelkeit bringt nur schmerzhaften Sonnenbrand oder sogar eine völlige körperliche Erschöpfung ein.”
Und immer wieder leuchtet in dem Text zwischen den raren Schwarz-Weiß-Fotos aus den frühen Tourismusboom-Jahren das Mallorca einer vergangenen Zeit. So schreibt Görz etwa in seinen Tipps zum Straßenverkehr. „Kinder, Radfahrer und Mulis sind völlig arglos. Wenn Sie Ihren Wagen unbeschädigt heimbringen wollen, müssen Sie wissen, daß Mulis meist nach der Seite ausschlagen, von der sie die Hupe erschreckt.” Gegenüber den Tankstellen mahnt er zur Vorsicht. Es empfehle sich, ein Haarsieb beim Tanken zu benutzen. Herren bekommen außerdem den Hinweis, bei Tisch stets Jackett oder Sakko über dem Hemd zu tragen. Andernfalls sei man kein Caballero.
Wohlfühlurlaub und Gesundheitsvorsorge auf Mallorca: Schwitzen auf Rezept
October 14, 2008 von mallorcalover
Geordnet unter Deutsche auf Mallorca, Senioren, Tipps
Die klassische Kur war gestern. Heute gönnt man sich Medical Wellness. Und das Beste: Für Wohlfühlurlaub zur Gesundheitsvorsorge brauchen Sie kein ärztliches Attest. Einen Zuschuss von der Krankenkasse gibt es aber trotzdem.
Von Jutta Christoph
Laut einer Studie des „BAT Freizeit-Forschungsinstituts” möchte schon jeder zweite Deutsche im Urlaub etwas für die Gesundheit tun. Kein Wunder, dass immer mehr Reiseveranstalter auf den Trend reagiert haben – mit Angeboten, die Relax- und Fitnessprogramme mit medizinischen Behandlungen verbinden. Auch auf Mallorca nimmt die Anzahl von Gesundheitsreisen stetig zu. Doch nicht alle Kurse werden von den Kassen unterstützt. Bevor Sie buchen, sollten Sie Ihrer Krankenkasse das ausgewählte Angebot vorlegen. Wer wissen möchte, ob ein Anbieter seriös ist, kann sich auch an den „Deutschen Medical Wellness Verband” wenden, der ein Qualitätssiegel für Anbieter vergibt. Informationen gibt es auch unter www.dmwv.de.
Manche Veranstalter weisen in ihren Katalogen spezielle Angebote aus, die von bestimmten Kassen bezuschusst werden. TUI arbeitet zum Beispiel mit der „Kaufmännischen” (KKH) zusammen und hat einen „Vital-Katalog” mit Präventionskursen im Programm. Und da Spanien nach Deutschland für TUI das wichtigste Zielgebiet ist, wurde das Mallorca-Angebot auf zwölf Hotels erweitert. „Seit mehreren Saisons verzeichnen wir auf Mallorca ein zweistelliges Wachstum bei den Gäste- und Umsatzzahlen”, so Mehdi Langanke, Produktmanager von TUI Vital.
Zwei der beim Reiseveranstalter aufgeführten Hotels bieten Präventionspakete mit Krankenkassenbeteiligung. So wird im Vier-Sterne-Grupotel „Gran Vista” in Can Picafort zum Beispiel „Nordic Walking und Rückenschule” angeboten. Das einwöchige Kombi-Paket beinhaltet auch Aqua-Gymnastik, Herz-Kreislauftraining, Step und Funktionsgymnastik. „Bewegung mit Qigong und Yoga” heißt das Motto im 4-Sterne-Hotel „Son Caliu” an der Küste von Calvià. Hier können die Gäste eine Woche lang an Wassergymnastik, Qigong- und Yogakursen teil. Die Krankenkassen schießt 150 Euro zu. Mitglieder der KKH erhalten das Geld ganz unbürokratisch. Andere Kassen bieten für dieses Wellness-Angebot ebenfalls Zuschüsse an. Weitere deutsche Reiseveranstalter reagieren beim Thema Mallorca und Medical Wellness noch verhalten. Im aktuellen „Neckermann Care-Katalog” finden sich erst zwei Hotels auf Mallorca, die ausschließlich Wellness- und Beautyprogramme bieten. Susanne Schlung, Produktmanagerin für das Neckermann-Care-Programm: „Wellness ist ein absolutes Kurzreisethema. Deshalb besteht unser Angebot hauptsächlich aus Deutschland-Offerten plus einigen Häuser in grenznahen Regionen.” Da sich Mallorca auch als Kurzreiseziel etabliert habe, wolle man bei Neckermann erneut versuchen, die Insel für Wellness-Urlauber interessant zu machen. „Wir werden sehen, wie unser bestehendes Angebot angenommen wird und dann entscheiden, ob wir es weiter ausbauen”, so Schlung.
Dass Mallorca ein interessantes Ziel für Gesundheitsurlaub ist, zeigt auch das Projekt des Kardiologen und Internisten Javier Moreno im Hotel „Ca´n Picafort Palace” im Norden der Insel. Noch bis zum 8. März und bereits zum vierten Mal betreut Moreno dort eine Gruppe von Patienten aus Rheinland-Pfalz, die Herzinfarkte oder -operationen hinter sich haben. Das Programm beschreibt der Arzt mit „Tango und Fango” – Gesundheitsmaßnahmen wechseln sich mit Unterhaltung ab. Drei- bis viermal pro Woche trifft sich die Herzsportgruppe zu Gymnastik und Walken am Strand, diesmal neu im Programm ist ein Grundkurs Nordic Walking. An der Einführungsveranstaltung vergangenen Samstag (1.3.) nahmen fast 60 Interessenten teil, neben Morenos Herzsportgruppe auch Spanier und deutsche Residenten aus Port de Alcúdia, Artà, Pollença und Palma. Ebenfalls dabei war der Vorsitzende der spanischen Vereinigung für Nordic Walking (Asociación Española de Marcha Nórdica) und Monika Steiger, Trainerin für Nordic Walking und Leiterin von Herzsportgruppen in Rheinland-Pfalz. „Die Maßnahmen auf Mallorca beugen einem neuen Herzinfarkt vor”, so Moreno, „die Gäste sollen zwar hauptsächlich Urlaub machen, aber nicht auf ihr normales Programm verzichten.”
Auch wenn das Training der Gesundheitsvorsorge dient, müssen die Reisenden die gesamten Kosten selbst tragen. Es sei jedoch vorstellbar, dass man in Zukunft ambulante Reha-Maßnahmen anbiete, für die die Krankenkasse aufkommt, sagt Moreno. Sein Traum wäre es, auf Mallorca eine Reha-Klinik für europäische Patienten zu eröffnen und sich diese unter anderem von Deutschland zertifizieren zu lassen. Im Gespräch sei er mit den Krankenkassen deshalb schon seit längerer Zeit. Bis es soweit ist, arbeitet Moreno mit seinen Herzsportgruppen aus Rheinland-Pfalz in Can Picafort weiter. Die nächsten zwei Termine Ende März und Anfang April stehen bereits fest (Infos unter Tel.: 971-50 03 43).
Eigenheim als Rentenkasse
September 25, 2008 von mallorcalover
Geordnet unter Deutsche auf Mallorca, Senioren, Tipps
Spanische Hypothekenreform (Teil 2): mit der Seniorenhypothek den Lebensstandard erhöhen JANETTE VEHSE Klara M. aus Moraira weiß nicht mehr ein noch aus. Die 72-Jährige erhält nach dem überraschenden Tod ihres Mannes nur eine schmale Witwenrente, die Ersparnisse des Ehepaares sind durch Begräbniskosten und Erbschaftssteuer aufgebraucht. Nur das gemeinsame Wohnhaus mit Meerblick ist ihr geblieben, das Klara M. wegen der vielen guten Erinnerungen keinesfalls aufgeben möchte. Doch die Immobilie verursacht hohe Kosten: Instandhaltung, Grundsteuer, Versicherungen – Eigentum verpflichtet bekanntlich.
Was kann die Seniorin tun, um sorgenfrei über die Runden zu kommen? Wie ihr geht es vielen Rentnern in Spanien – die Eigentumsrate liegt hierzulande mit 80 Prozent sehr hoch. Fast jeder hat eine abbezahlte Immobilie, und schmale Rentenbezüge sind normal. Einige Sparkassen entdecken diesen Kundenkreis für sich und bieten ein Produkt speziell für Über-65-Jährige an: die Seniorenhypothek.
Senioren können ihre Immobilie mit einer Hypothek belasten. Sie erhalten von der Bank eine lebenslange Rente, deren Höhe vom Alter des Kreditnehmers und vom Schätzwert des Eigenheims abhängt. Erst wenn der Hauseigentümer verstorben ist, kann die Bank die Immobilie verwerten. Zuvor kann der Rentner mit dem Haus verfahren, wie er möchte: es vermieten, verkaufen oder einfach selbst darin wohnen bleiben.
Die späteren Erben können sich überlegen, ob sie den Kredit der Bank auslösen und so das lastenfreie Eigentum an der Immobilie erwerben, oder ob sie das Haus verkaufen, beziehungsweise der Bank zur Verwertung überlassen. Ein gewünschter Nebeneffekt ist, dass die Erbschaftssteuer durch die Belastung des Heims stark reduziert wird.
Der Hauptvorteil der Seniorenhypothek ist ihre Sicherheit: Man läuft in keinem Moment Gefahr, die Immobilie zu verlieren. Bei anderen Modellen, die eine Rente aus dem Eigenheim generieren, ist das sehr wohl der Fall. Zum Beispiel Equity Release: Hier wird das Kapital aus der Hypothek angelegt. Die Rendite dieser Geldanlage muss so hoch sein, dass sie die Zinsen des Hypothekendarlehens befriedigt. Schafft die Anlage dies nicht, zahlt der Immobilienbesitzer drauf. Das kann so weit gehen, dass er sein Eigenheim verliert, um die Bankforderungen befriedigen zu können. Noch riskanter sind Modelle, bei denen das frei werdende Kapital in Immobilien- spekulationen in der Karibik fließen soll.
Bei der Seniorenhypothek ist das Eigentum an der Immobilie bis zum Ableben garantiert. Für viele Rentner in Spanien stellt das neue Bankmodell eine gute Chance dar, die Spanienimmobilie zu halten und den Lebensstandard zu verbessern.
Fiskus nimmt Mallorca-Rentner ins Visier
September 25, 2008 von mallorcalover
Geordnet unter Senioren
Deutsche Rentner auf Mallorca müssen sich mittelfristig auf Änderungen bei der Besteuerung einstellen. So überprüft das deutsche Finanzministerium das bisher gültige Abkommen zwischen Deutschland und Spanien, wonach Rentner, die auf die Balearen umziehen, ihre Alterseinkünfte nicht mehr in Deutschland versteuern müssen. Zahlreiche weitere Doppelbesteuerungsabkommen mit anderen Staaten sind ebenfalls auf dem Prüfstand.
Von Frank Feldmeier
“Wir werden einen weiteren Verlust an Steuereinnahmen nicht länger akzeptieren, nur weil sich bestimmte Länder nicht kooperativ verhalten”, zitiert die „Wirtschaftswoche” einen Sprecher von Finanzminister Peer Steinbrück. Eines der Verhandlungsziele sei die “Abkehr vom Prinzip der ausschließlichen Wohnsitzstaatsbesteuerung bei Alterseinkünften”, bestätigte Oliver Heyder-Rentsch, Sprecher im Bundesfinanzministerium, der MZ. Die Besteuerung der Rente von Mallorca-Deutschen soll also nicht länger den spanischen Behörden überlassen werden.
Berlin befürchtet für die kommenden Jahre von Jahr zu Jahr mehr Steuerausfälle bei Auslandsdeutschen. Hintergrund ist die sogenannte nachgelagerte Besteuerung, wie sie das Alterseinkünftegesetz seit Januar 2005 vorsieht. Der deutsche Gesetzgeber hat darin die Altersvorsorgebeiträge teilweise steuerfrei gestellt. Im Gegenzug müssen die Rentenleistungen langfristig jedoch voll versteuert werden. Folge: Wer in Deutschland Rentenbeiträge einzahlt, aber nach der Pensionierung nach Mallorca übersiedelt, bringt die Rechnung des deutschen Fiskus durcheinander – denn die Rente wird nach dem bisherigen Doppelbesteuerungsabkommen ausschließlich am neuen Wohnort in Spanien versteuert.
Bei geschätzten 300.000 Deutschen in Spanien könnten die Steuerausfälle beträchtlich sein, sagt Rechtsanwalt Niels Becker. Die „Wirtschaftswoche” berichtet gar von befürchteten „Verlusten in Milliardenhöhe”. Die Verhandlungen zur Revision des Doppelbesteuerungsabkommens zwischen Deutschland und Spanien, das noch aus dem Jahr 1966 stammt, laufen bereits seit Mai vergangenen Jahres. Die nächste Verhandlungsrunde sei für Oktober geplant, sagt Ministeriumssprecher Heyder-Rentsch.
Die Steuereinbußen werden sich über die nächsten Jahren hinweg summieren. Das neue System begann 2005 mit einer Besteuerung von 50 Prozent der Rente – sowohl für diejenigen, deren Rente schon vor 2005 gezahlt wurde, als auch für jene anderen, die 2005 zum ersten Mal eine Rente bekamen. Abhängig vom Rentenbeginn steigt der Prozentsatz in 2-Prozent-Schritten von 52 Prozent im Jahr 2006 auf 80 Prozent im Jahr 2020, und dann weiter in 1-Prozent-Schritten, bis 2040 die volle Besteuerung von 100 Prozent erreicht ist.
„Zurzeit wird eine Brutto-Rente der gesetzlichen Rentenversicherung ab 1.500 Euro für das Finanzamt interessant”, sagt Björn Pagers von der Abteilung Internationale Aufgaben und Beratungsdienst bei der Deutschen Rentenversicherung. Das gelte aber nur, wenn keine weiteren Einkünfte wie etwa Betriebsrenten ausgezahlt würden.
„Das Ziel sollte eigentlich sein, dass Steuern nur dort bezahlt werden, wo sie anfallen”, sagt Rechtsanwalt Becker. Er verweist auf die Pensionen von Beamten, die ausschließlich in Deutschland versteuert werden. Eine derart weitgehend Regelung sei zwar nicht zu erwarten, so Becker, würde jedoch der Freizügigkeit in Europa einen
enormen Schub geben.
Fürsorge auf Antrag auf Mallorca
September 25, 2008 von mallorcalover
Geordnet unter Senioren, Tipps
Wie man als Rentner auf Mallorca finanzielle Leistungen aus der deutschen Pflegekasse beziehen kann -
Auch Ausländer profitieren von der spanischen Pflegeversicherung, die derzeit im Aufbau ist Von Frank Feldmeier
Es ist alles eine Frage der Minuten. Um in die Pflegestufe I der deutschen Pflegeversicherung eingestuft zu werden, muss Dr. Petra Christ bei der Begutachtung eines Patienten auf mindestens 90 Minuten täglichen Pflegebedarf kommen – 45 Minuten davon im Bereich der Grundpflege. „Da gibt es oft Missverständnisse”, sagt die Ärztin: Wenn jemand nur Hilfe im Haushalt benötige, reiche das allein nicht aus für eine Eingruppierung in Stufe I.
Petra Christ ist eine von zwei Gutachterinnen auf Mallorca, die für den medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) in Deutschland Patienten auf der Insel in Augenschein nehmen. Sie wird aktiv, wenn Betroffene den Antrag bei ihrer deutschen Krankenkasse gestellt haben. Nach der Begutachtung schickt Christ ihren Bericht nach Deutschland, das letzte Wort hat dann die Pflegekasse.
Neben der Minuten-Regelung müssen weitere Voraussetzungen erfüllt werden, um als Rentner auf Mallorca Geld aus der deutschen Pflegekasse zu erhalten. Es gilt der Grundsatz: Pflegeversicherung folgt Krankenversicherung. So dürfen Antragsteller nur eine Rente der deutschen Rentenversicherung erhalten und in Spanien keinen eigenen Leistungsanspruch haben, etwa aufgrund einer Beschäftigung. Nur dann können Geldleistungen wie in Deutschland ausgezahlt werden.
Das deutsche Pflegegeld ist in drei Stufen gegliedert: 205 Euro (Stufe I), 410 Euro (Stufe II) und 665 Euro (Stufe III). Familienangehörige sind – wie in der Krankenversicherung – mitversichert.
Sachleistungen jedoch bleiben außen vor, da sie auf die deutschen Verhältnisse zugeschnitten sind. Von deutscher Seite werden auch kein Rollstuhl oder andere Hilfsmittel gestellt. Wer also auf Mallorca einen mobilen Pflegeservice beauftragt, kann ihn nicht über die deutsche Pflegekasse abrechnen.
Auch österreichische Rentner in Spanien haben laut einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs Anspruch auf Pflegegeld: Die Zahlung des in Österreich vorgesehenen Pflegegeldes darf nicht vom Wohnsitz in Österreich abhängig gemacht werden.
Zwar ist auch in Spanien eine Pflegeversicherung im Aufbau, das Gesetz (Ley de Dependencia) trat im Januar dieses Jahres in Kraft. Bislang könne aber nur Hilfe für schwere Fälle der Stufe III beantragt werden, sagt Rainer Fuchs, Sozialreferent in der Deutschen Botschaft in Madrid. Voraussetzung sei der Aufenthalt in Spanien seit mindestens fünf Jahren.
Wer Sachleistungen vom spanischen Staat in Anspruch nehme, erhalte jedoch nicht das deutsche Pflegegeld. Außerdem erhalten deutsche Pflegebedürftige keine spanischen Geldleistungen.
Bis zum Jahr 2015 soll die spanische Pflegeversicherung – die im Gegensatz zu Deutschland nicht über Beiträge, sondern über Steuern finanziert wird – vollständig aufgebaut sein und schrittweise auch die unteren Pflegestufen enthalten.
Zum Anspruch auf Pflegegeld aus Deutschland informiert die eigene Krankenkasse. Anträge zur spanischen Pflegeversicherung nimmt das balearische Institut für soziale Angelegenheiten entgegen:
Institut Balear d´Affers Socials
Avinguda d´Alemanya, 6
07003 Palma
Tel.: 971-17 70 00
Mo bis Fr von 9 bis 14 Uhr
Bewegter Markt: Mobile Pflegedienste
Bei den Anbietern herrscht ein reges Kommen und Gehen -
Deutscher Unternehmer will jetzt flächendeckenden Service aufbauen
Von Frank Feldmeier
Thomas Kaczmarek hat große Pläne: Der deutsche Unternehmer will einen mobilen Pflegeservice auf Mallorca aufbauen, der flächendeckend und rund um die Uhr alle bedürftigen deutschen Senioren auf der Insel versorgen kann. Die Vorbereitungen laufen seit Beginn des Jahres, so der Geschäftsführer von SenioSalud S.L., die ersten Mitarbeiter sollen im Januar mit der Planung und dem Aufbau des Services beginnen. Kaczmarek verweist auf 14 Jahre Erfahrung in Deutschland im Bereich von Entwicklung, Bau und Betrieb sozialer Einrichtungen und will nun von Mallorca aus den spanischen Markt bedienen. „Der Bedarf ist so groß, dass spanische Pflegebetriebe angefragt haben, mit uns Joint-Ventures einzugehen”, so Kaczmarek.
Der Markt der Pflegedienste auf Mallorca ist beständig in Bewegung: Neue Anbieter tauchen auf, andere verschwinden wieder. Zwar gibt es angesichts der großen Zahl der Rentner genügend Nachfrage. Doch oft fehlt das Geld, da die deutsche Pflegekasse keine Sachleistungen im Ausland vorsieht. Für Anbieter kommt erschwerend hinzu, dass die Patienten über die ganze Insel verstreut wohnen und lange Anfahrten für sie unrentabel sind. Pflegedienste müssen zudem Hürden zur behördlichen Genehmigung nehmen.
Darum kümmert sich im Fall von SenioSalud Rechtsanwalt Matthias Jahnel. Der neue Dienst müsse nicht nur angemeldet werden, benötigt werde auch der Nachweis bei der Zulassungsstelle etwa über die erforderliche Infrastruktur. Der Anwalt rechnet damit, dass in Kürze alle notwendigen Unterlagen vorliegen. „Wir hoffen auf die Unterstützung der Behörden, um den illegalen Anbietern das Wasser abzugraben”, so Jahnel.
Denn ein Netz aus Pflegediensten, wie es in Deutschland besteht, muss auf der Insel erst noch aufgebaut werden. Bislang wurden viele Bedürftige von Angehörigen gepflegt, auch Einwanderinnen – besonders aus Süd-amerika – sind vielerorts beschäftigt. Ein Großteil der Pflege wird schwarz bezahlt. In die Versorgungslücke springen zudem auch ehrenamtliche Helfer wie etwa der Deutsche
Sozial-Kulturverein Calvià. Um einen Anbieter zu finden, empfiehlt Dr. Johannes Wiesholler vom Ärztehaus Palma, sich im Bekanntenkreis und bei Vereinen umzuhören.
Was viele Betroffene nicht wissen: Auch die mallorquinischen Gemeinden bieten soziale Hilfsleistungen an. „Das größte Handicap der Rentner besteht aber darin, dass sie kein Spanisch sprechen und sich so nur schwerlich vor Ort informieren können”, sagt Sabine Kohls, Sprecherin des Sozialverbands VdK Deutschland e.V. Viele pflegebedürftige Senioren kehren deswegen nach Deutschland zurück, sobald sie gebrechlich werden oder der Lebenspartner stirbt.
„Die staatlichen Hilfen sind sehr viel besser geworden”, sagt Sally Luxmoore, die den mobilen Pflegedienst „Angels Nursing” betreibt. „Aber es ist noch Luft nach oben.” So kämen von der öffentlichen Hand bezahlte Kräfte bislang im Höchstfall eine Stunde am Tag zu den Patienten nach Hause und zudem nur wochentags. Die Britin, die auch fünf deutsche Pflegekräfte beschäftigt, warnt zudem vor nicht qualifizierten Anbietern, auf die in der Not zurückgegriffen werde. „Ich könnte Ihnen da einige Horror-Geschichten erzählen.”
Luxmoore beschäftigt derzeit 20 Pflegekräfte, die auf ganz Mallorca im Einsatz sind, hinzu kommen Aushilfskräfte. Betreut würden derzeit elf Patienten, darunter auch etliche Deutsche. Die Nachfrage sei enorm, doch oft fehle es an den erforderlichen finanziellen Mitteln bei den Betroffenen. Dieses Problem sieht auch Kaczmarek von SenioSalud. „Wir können hier nicht mit deutschen Preisen arbeiten”, so der Unternehmer.
Der Markt der Pflegedienste werde sich durch den Aufbau der spanischen Pflegeversicherung grundlegend wandeln, so Fuchs von der Deutschen Botschaft. „Künftig wird es leichter sein, Pflegeleistungen einzukaufen”, sagt der Sozialreferent, „und wegen der aufkommenden Konkurrenz werden dann auch die Preise fallen.”
Deutscher Sozial-Kulturverein Calvià
C/. Huguet d´es Far, 20
07180 Santa Ponça
Tel: 971-69 05 54
Der Verein leistet Hilfe zur Selbsthilfe. Beratung für Mitglieder (Jahresbeitrag 50 Euro) dienstags und donnerstags von 18 bis 21 Uhr.
Angels Nursing Agency
Tel.: 971-24 19 72, 619-07 01 00
sally.luxmoore@hotmail.com
www.angelsnursingagency.com
Mediterranean Quality Care Services
Tel.: 971-40 01 62, 608-09 72 62
www.med-care-mallorca.com
SenioSalud S.L. (im Aufbau)
C/. Hostales, 14
07002 Palma de Mallorca
Tel.: 971-49 58 01
info@seniosalud.eu
Pflege in Es Castellot
Es Castellot in Santa Ponça ist Mallorcas einzige deutsche Senioren-Residenz. Pflegeleistungen sind nicht nur in den Apartments möglich, sondern auch auf der inzwischen erweiterten Pflegestation. Den bestehenden zehn Plätzen seien sechs Pflege-Apartments angegliedert worden, sagt Uwe Daude, Leiter der Senioren-Residenz. Die Zahl der Pflegekräfte sei auf zehn aufgestockt worden, die Versorgung umfasse alle pflegerischen Leistungen. Die Plätze auf der fast komplett belegten Station stünden neben den Bewohnern auch externen Patienten offen. Abgerechnet wird ausschließlich privat.
Seniorenresidenz Es Castellot
C/. Hug de Mataplana, 1
07180 Santa Ponça
Tel.: 971-69 14 09
www.es-castellot.de
Der reiche Rentner auf Mallorca
September 25, 2008 von mallorcalover
Geordnet unter Deutsche auf Mallorca, Senioren
“Der reiche Rentner auf Mallorca ist die Ausnahme”
Der Präsident des Sozialverbandes VdK, Walter Hirrlinger, über Nullrunden und die Zukunft der Altersversorgung
Christian LipickiDie Bundesregierung will die Rentner bei der Sanierung der Rentenkassen stärker in die Pflicht nehmen. Sozialverbände lehnen das ab. Die Rentner hätten schon genügend Opfer gebracht, sagt VdK-Präsident Walter Hirrlinger.
Herr Hirrlinger, die Bundesregierung plant offenbar 2004 angesichts der knappen Kassen eine Nullrunde für Rentner. Ist das für die Betroffenen zumutbar?
Dieser Schritt wäre zutiefst ungerecht. Bei zusätzlichen Belastungen werden die Rentner die verantwortlichen Parteien bei den nächsten Wahlen abstrafen. Da können Sie sicher sein. Die Stimmung bei den Rentnern ist schlechter als in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Es darf nicht vergessen werden, dass die Rentner ja schon Opfer gebracht haben.
Welche meinen Sie?
Erstens: Die Rentner haben im Jahr 2000 nur einen Inflationsausgleich erhalten. Zweitens: Die Rentenanpassung wird ab 2003 acht Jahre lang um jeweils 0,5 Prozentpunkte niedriger ausfallen als normalerweise durch die Rentenformel vorgesehen ist. Damit werden die Rentner von der allgemeinen Lohnentwicklung abgekoppelt. Das ist, denke ich, Opfer genug.
Aber nicht nur die Rentner werden belastet. Die Arbeitnehmer müssen für ihre Altersvorsorge seit vergangenem Jahr stärker selbst vorsorgen.
Ja. Durch die so genannte Riesterrente. Aber nur 15 Prozent haben bisher solche Verträge abgeschlossen. Die Belastung ist also derzeit sehr einseitig verteilt. Daraus werden wir Konsequenzen ziehen.
An welche denken Sie?
Wir prüfen, ob die Rentenabschläge rechtmäßig sind. Falls wir feststellen, dass die Bundesregierung Rentner zu stark belastet, werden wir gegen die Abzüge vor dem Europäischen Gerichtshof klagen.
Früher war die Rente oft das einzige Alterseinkommen. Heute gibt es eine ganze Reihe reicher Rentner. Müssen nicht wenigstens diese stärker in Pflicht genommen werden?
Der reiche Rentner, der auf Mallorca seinen Lebensabend verbringt, auf La Palma am Pool liegt oder Kreuzfahrten auf dem Nil unternimmt, ist doch die Ausnahme. Gerade mal 0,4 Prozent der Ruheständler erhalten die gesetzlich mögliche Höchstrente. Diese beträgt monatlich 1 951 Euro. Die Mehrzahl der Rentner muss mit viel weniger Geld auskommen. Ein Beispiel: Rund 50 Prozent der männlichen Rentner erhalten eine Rente von 900 Euro oder darunter. Und diese Rentner haben leider keine Nebeneinkünfte aus Miete und Kapitaleinkommen. Sie haben höchstens ein mühsam zusammengespartes Haus. Und bei Witwen sieht die Altersabsicherung wesentlich schlechter aus. Das ist die Realität.
Was würde eine Nullrunde für die Betroffenen bedeuten?
Eine Nullrunde würde viele Rentner in Existenznöte bringen. Weil Lebenshaltungskosten und Sozialabgaben weiter steigen, ist die Nullrunde in Wirklichkeit eine Minusrunde. Das kann es nicht sein. Wenn jemand ein Leben lang gearbeitet hat, dann müsste er wenigstens ohne Sozialhilfe auskommen können.
Die Rentenkassen stehen unter starkem finanziellen Druck. Wie sollen sie entlastet werden?
Was wir dringend brauchen, ist eine Erhöhung des Renteneintrittsalters. Heute gehen viele Menschen zu früh in den Ruhestand, nämlich im Durchschnitt mit 60 Jahren. Ausgelegt ist die Rentenversicherung aber auf Menschen, die bis 65 Jahre gearbeitet haben. Heute werden aber viele mit 58 oder 59 Jahren aus den Betrieben herauskatapuliert. So manche Firma saniert sich auf Kosten der Rentenversicherung.
Wie lässt sich das verhindern?
In zehn Jahren werden wir in Deutschland einen Facharbeitermangel haben. Deshalb müssen wir jetzt gegensteuern. Die Politik muss eine breite Aufklärungskampagne starten, damit die Unternehmen anfangen umzudenken. Alle bisherigen Maßnahmen waren nicht ausreichend. Der Gesetzgeber sollte außerdem prüfen, welche Paragrafen geändert werden müssen, um Frühverrentungen für die Betriebe deutlich zu erschweren.
Blockieren die älteren Menschen dann nicht Arbeitsplätze, die die Jüngeren dringend brauchen?
Wir müssen die Arbeit besser verteilen. Unternehmen, Betriebsräte und Arbeitnehmer sollten kreativer werden. Die Politik muss dazu die richtigen Anreize setzen. So ist es denkbar, dass junge Menschen zunächst auf Teilzeitbasis ins Berufsleben einsteigen. Ältere Arbeitnehmer könnten im Gegenzug ihre Arbeitszeit schrittweise reduzieren. Wir müssen viele Wege gehen. Die Erhöhung des Renteneintrittsalters ist dabei von zentraler Bedeutung.
Warum?
Wenn es gelingt, die Menschen erst ab 62 oder 63 Jahren in Rente gehen zu lassen, dann ließe sich der Rentenbeitrag um zwei Prozentpunkte senken. Das wäre eine enorme Entlastung der Lohnnebenkosten und würde helfen, wieder mehr neue Arbeitsplätze zu schaffen.
Was passiert, wenn die Rentenkassen nicht entlastet werden?
Ich fürchte, dass dann der Beitragssatz weiter klettern wird. Ein Anstieg von derzeit 19,5 auf 19,9 Prozent ist nicht unwahrscheinlich.
Die Regierung will das verhindern, indem sie den Finanzpuffer der Rentenversicherung verringert.
Es war schon ein Fehler, die Schwankungsreserve auf 50 Prozent einer Monatsausgabe der Rentenversicherung abzusenken. Und es wäre ein noch größerer Fehler, den Puffer auf 20 Prozent herunterzufahren. Damit wird alles nur schlimmer. Wahrscheinlich im Herbst werden die Rentenversicherer in Zahlungsschwierigkeiten kommen. Dann werden die Beiträge steigen müssen, um die Rentenauszahlungen sicherzustellen. Es gibt manchmal Ideen aus der Politik, da packt man sich an den Kopf.
Können Sie das bitte erklären?
Ich habe den Eindruck, dass die Politiker oft von den Realitäten weit weg sind. Das gilt insbesondere für die sozialen Probleme in unserer Gesellschaft. Die Politiker wissen oft nicht mehr, wie es bei den Menschen tatsächlich aussieht. Viele Menschen sind auf den Schutz des Sozialstaates angewiesen. Da kann man nicht einfach Dinge streichen.
Ist denn alles nötig, was der Sozialstaat heute anbietet?
Es ist sicher in guten Zeiten manches gemacht worden, was heute auf den Prüfstand gehört. Dass man das eine oder andere zurückdreht, wenn die Kassen leer sind, dagegen ist nichts zu sagen. Aber es darf nur ausgewogen stattfinden. Es müssen alle Betroffenen gleichmäßig belastet werden. Ich habe den Eindruck, dass das nicht der Fall ist. Es spart sich eben bei den sozial Schwachen am leichtesten. Da ist die SPD, die sich den Schutz der Schwachen auf ihre Fahnen geschrieben hat, nicht besser als andere Parteien.
Gespräch: Christian Lipicki
Langjährige Erfahrung // Walter Hirrlinger (76) ist seit 1990 Präsident des Sozialverbandes VdK. Der Verband setzt sich insbesondere für Rentner, Patienten und behinderte Menschen ein. Er vertritt die Interessen von rund 1,3 Millionen Mitgliedern. Hirrlinger war von 1968 bis 1972 Sozialminister in Baden-Württemberg, davor viele Jahre Landtags- abgeordneter in Stuttgart. Der Sozialexperte ist seit 1953 Mitglied der SPD.
Der Tag eines Mallorquiners
September 19, 2008 von mallorcalover
Geordnet unter Deutsche auf Mallorca, Senioren
Bekanntlich läuft auf Mallorca alles etwas langsamer als bei uns. Und das hat ja auch sein Gutes, z.B. werden dadurch die Nerven geschont. Außerdem macht das in Anbetracht der klimatischen Bedingungen in Spanien und speziell auf Mallorca Sinn. Der im Folgenden skizzierte Ablauf trifft natürlich nicht auf jeden Mallorquiner, und schon gar nicht auf Mallorquinerinnen zu, verdeutlicht aber in der Konzentration das Typische, wie anders z.B. das Alltagsleben eines berufstätigen Mannes auf der Insel im Vergleich zu Deutschland ist.
Am Morgen ins Büro
Ein im Berufsleben stehender Mallorquiner »alter Schule« geht vor Arbeitsbeginn in die Bar, trinkt einen Milchkaffee, tunkt eine ensaimada (ein Hefe-Schmalzgebäck) hinein, liest Zeitung oder redet sich mit Freunden/Bekannten warm. Auf diese Art wach geworden, sieht er im Büro nach, was anliegt, hat Termine und Besprechungen. Das geht konzentriert bis gegen 12 Uhr. Dann ist es Zeit, eine Kleinigkeit zu sich zu nehmen. Also wieder in die Bar, wo bei einem Schluck Bier oder Rotwein ein bocadillo (belegtes Brötchen) oder ein paar tapas verzehrt werden. Nach 20 Minuten ist man zurück im Büro und arbeitet bis max. 14.30 Uhr.
Arbeitszeit
Die »normale« Arbeitszeit in Spanien läuft überwiegend immer noch von 9 Uhr bis 14 Uhr und von 17 bis 20 Uhr, wiewohl dieses Prinzip vor allem in Großstädten, also auch Palma, in letzter Zeit mehr und mehr durchbrochen und durch eine kontinuierliche Arbeitszeit ohne Siesta ersetzt wird. Neuere Untersuchungen behaupten sogar, dass nur noch 20% aller Beschäftigten Gelegenheit zur siesta haben. Wer indessen das Verkehrsaufkommen in und rund um Palma, um Inca und Manacor zu Siestabeginn und -ende erlebt, mag zumindest dort daran nicht glauben. Palmas Straßen werden bis zu 5 x täglich von einer veritablen Rush Hour heimgesucht, nämlich morgens, mittags, nachmittags durch die Rückkehr der »Siestamacher«, kurz darauf durch die Abfahrt aller »Durcharbeiter« und später nach 19 Uhr, wiewohl etwas entzerrter, wegen des nun allgemeinen Arbeitsendes.
Siesta
Für die meisten Mallorquiner gehört die siesta nach wie vor zum täglichen Routineritual. Sie beginnt teilweise schon um 13 Uhr, spätestens aber um 14.30 Uhr, und geht bis 16.30/17.00 Uhr. Wer nicht nach Hause fährt, besucht ein Restaurant, wo ausgiebig getafelt und diskutiert wird. Selbst ein preiswertes Menu (jedes Restaurant ist verpflichtet, ein günstiges menu del dia anzubieten heute ab ca.
besteht aus drei Gängen und einem anschließenden Kaffee, der niemals fehlen darf. Die Mittagssitzung zieht sich oft über die gesamte siesta. Die hora de comer (Stunde eigentlich Stunden! des Mittagessens) ist heilig, Termine liegen vorher oder nachher. Für uns ist die siesta ein zwar im Allgemeinen bekanntes, oft belächeltes, aber selten ernst genommenes Phänomen. Auch wenn es wie oben bereits beschrieben im Rahmen der EU und der Globalisierung von Lebensstilen unübersehbare Auflösungstendenzen bei der mediterranen Mittagspause gibt, sollte man sich nicht wundern, wenn zwischen 13.00 Uhr und 17.00 Uhr, selbst oder sogar insbesondere in der Großstadt Palma, wenig oder gar nichts läuft. Wirtschaftsexperten fordern seit langem die völlige Abschaffung dieser alten spanischen Tradition, die als Wettbewerbsnachteil angesehen wird und wohl auch ist.
Der lange Abend
Nach der Siesta beginnt jedenfalls wieder die Arbeit, die bis 20 Uhr dauern kann. Dann verlässt unser konservativ eingestellter Mallorquiner gut gelaunt das Büro; die Bar wartet schon. Dort trifft man sich auf eine copa (ein Glas) und schwätzt entspannt mit Kollegen oder Freunden bis gegen 21 Uhr. Jetzt ist es Zeit heimzugehen, weil im Familienkreis ab 21 Uhr zu Abend gegessen wird, was sich bis Mitternacht hinziehen kann. Wenn das Abendessen im Restaurant stattfindet, fährt man gegen 21 Uhr nach Haus, zieht sich dort vielleicht um, lädt Frau und Kinder ins Auto und ist gegen 21.30 Uhr im Restaurant. Ein solcher Abend dauert häufig länger, weil man auch nach dem Essen für den letzten Schluck wieder gerne eine Bar aufsucht. So ist es kein Wunder, dass Spanier nachts im Durchschnitt etwa eine Stunde weniger schlafen als Mitteleuropäer. Vielleicht auch ein Grund für eine gewisse Trägheit in manchen Arbeitsprozessen? Oder liegt dies daran, dass in Spanien die »falsche Zeit« gilt, was zur Folge hat, dass die Sonne in diesem Land zu spät auf- und zu früh untergeht? Es gibt ernsthafte Überlegungen, Spaniens Uhren (wie in Portugal) um eine Stunde zurückzustellen (und somit der Greenwichzeit anzupassen), weil Spanien auf gleicher geographischer Länge wie England liegt.
Deutsche Ärzte auf Mallorca
September 19, 2008 von mallorcalover
Geordnet unter Deutsche auf Mallorca, Mallorca Fakten, Senioren
Situation
Neben den spanischen Medizinern praktizierten 2005 über 100 deutsche Ärzte auf Mallorca, die fast alle Fachgebiete vom Augenarzt bis zum Urologen abdecken und im wesentlichen von Touristen und den mehr als 50.000 deutschen Residenten in Anspruch genommen werden. Diese dürfen sich über im Vergleich zu Praxen spanischer Ärzte, die mit der Insalud abrechnen, meist moderner ausgestattete Praxen freuen.
Auch für die erstaunlich hohe Zahl an Unglücklichen unter den Residenten, die auf Mallorca ihr privates Paradies nicht finden konnten und sich dem Alkohol- bzw. Drogenmissbrauch hingeben, die unter Depressionen, Neurosen oder Psychosen leiden, ist dank mehrerer Praxen für Psychotherapie gesorgt.
Nach Fachrichtungen und regionaler Verteilung gegliederte aktuelle Listen der auf Mallorca praktizierenden deutschen bzw. deutschsprachigen Ärzte (und Zahnärzte) findet man in den Wochenzeitungen Mallorca Magazin und Mallorca Zeitung.
Von vielen deutschen Ärzten hört man, dass sie in erster Linie Frust über die heimische Gesundheitspolitik veranlasste, nach Mallorca zu gehen. Manche haben nicht nur auf hohe Einkommen verzichtet, sondern auch auf Ansehen, waren Sie doch häufig Inhaber großer Praxen oder Chefärzte. Den Frust haben sie gegen marktwirtschaftliche Freiheit eingetauscht, wohl wissend, dass sie sich finanziell verschlechtern würden. [...]
Konkurrenz
Keiner der deutschen Ärzte auf Mallorca ist bei der staatlichen spanischen Krankenversicherung Insalud Vertragsarzt.
Privat zahlende Patienten sind daher in Anbetracht der hohen Dichte ärztlicher Versorgung stark umworben. Und so schalten privat praktizierende, speziell deutsche Ärzte laufend auffällige Zeitungsanzeigen und listen darin ihr Leistungsangebot (was Ärzten und Zahnärzten in Deutschland untersagt ist).
Hotelportiers fordern unverblümt Bakschisch vom Arzt, den sie im Auftrag des Patienten gerufen haben. Mediziner, die Patienten in eine Privatklinik oder zu einem Privatarzt überweisen, sollen angeblich für diesen Dienst bis zu 15% der Gesamtrechnung kassiert haben, berichtete das Mallorca Magazin. Dies wird indessen genauso hartnäckig wie erfolglos geleugnet.
Kosten und Erstattung
Anders als in Deutschland gibt es in Spanien keine feste Gebührenordnung für Ärzte; die Preisgestaltung der medizinischen Leistung ist weitgehend frei. Eine allgemeinmedizinische Behandlung kostet ca. € 50, Spezialisten verlangen ca. € 75. Apparative und operative Sonderleistungen werden extra berechnet.
Die Patienten müssen Privatrechnungen zunächst aus eigener Tasche begleichen. Die Privatversicherung erstattet die verauslagten Beträge gemäß den jeweiligen Tarifbedingungen ganz oder teilweise. [...]
Gemeinschaftspraxen
Auffällig sind die Gemeinschaftspraxen deutscher Mediziner, die sich mit markanten Anzeigen in der Mallorca Zeitung bzw. im Mallorca Magazin und mit eigenen werbewirksamen Websites im Internet präsentieren. [...]
Mallorca Gesundheitssystem
September 19, 2008 von mallorcalover
Geordnet unter Deutsche auf Mallorca, Mallorca Fakten, Senioren
Medizinische Versorgung auf Mallorca
Wer nach Mallorca kommt und dort erkrankt oder einen Unfall erleidet, muss nicht befürchten, schlecht versorgt zu sein. Das spanische Gesundheitswesen (Insalud) arbeitet auf einem hohen Niveau, die Leistungen der Ärzte und Kliniken sind anerkannt.
Außerdem gibt es immer mehr auf Mallorca niedergelassene deutsche Mediziner und Zahnärzte.
Das spanische Gesundheitssystem
Insalud
Wer offiziell auf Mallorca arbeitet, ist in das System der Insalud eingebunden und kann ähnlich wie bei uns per elektronisch lesbarer Versicherungskarte alle vertraglich zugesagten Leistungen in Anspruch nehmen. Die sind jedoch vergleichsweise gering und im Wesentlichen auf die medizinische Grundversorgung beschränkt.
Jede Art zahnärztliche Behandlung und Zahnersatz sind z.B. grundsätzlich privat abzusichern. Wenn sich ein Spanier ernstlich krank fühlt, geht er als erstes in ein sog. Centre de Salut (Gesundheitszentrum), von den Mallorquinern auch Ambulatorio genannt. Diese Zentren haben Hausarztfunktion und dienen als Ausgabestelle für bestimmte gängige Arzneimittel. Die Behandlungskosten werden zwar von der Insalud getragen, aber viele Medikamente muss der Patient in einer Farmacia (Apotheke) selbst kaufen; darauf gibt es teilweise Insalud-Rabatte bis zu 50%.
Falls der Patient einen Facharzt konsultieren muss, erfolgt die Überweisung des Patienten durch die Ärzte im Centro. Bei Notfällen, nachts und am Wochenende dürfen sich Insalud Versicherte auch direkt an die Notaufnahmen der Krankenhäuser Son Dureta oder Son Llatzer in Palma wenden.
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Das zentralisierte System bringt Wartezeiten mit sich. Auf den Termin für eine Operation muss man oft über einen zu einem halben Jahr warten: Hunderte Mallorquiner stehen ständig auf der Warteliste. Auch für Untersuchungen, die nicht ambulant in den sog. Ambulatorios oder bei niedergelassenen Ärzten vorgenommen werden können, beträgt die Wartezeit in vielen Fällen über einen Monat. Privatversicherte allerdings betrifft das nicht [...]
Zahnbehandlung auf Mallorca
Die gesetzliche Krankenversicherung erstattet,wie gesagt, keine Kosten für Zahnbehandlungen mit sichtbaren Folgen für die Gebisse der Mallorquiner. Nach einer Untersuchung der balearischen Gesellschaft für Zahnheilkunde haben 80% der Bevölkerung Probleme mit den Zähnen [...]



